KategorieInterviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber

Hier poste ich Tipps aus meinem Erfahrungsschatz. Bleiben Sie dran!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: wer fragt was?

Journalisten fragen stellvertretend für ihr Publikum. Wenn man sich vorstellt, wer das Blatt liest/die Sendung guckt, ahnt man die Interessen.

Nehmen wir einmal an, Ihr Unternehmen stockt die Produktion auf und baut dafür ein neues Gebäude. Wenn die Regionalzeitung darüber berichten will, interessiert sie sich für das Bau-Ereignis inklusive Verkehrsbehinderungen, für neue Arbeitsplätze und für Ihr Unternehmen als Leistungsträger dieser Stadt.

Ein Wirtschaftsblatt berichtet nur in Einzelfällen direkt über Ereignisse, wie zb. Bauvorhaben.  Stattdessen benutzt es  Ihr Vorhaben lieber für einen Hintergrundbericht über Ihre Firma oder die Branche. Je nach Magazin eher betriebs- bzw volkswirtschaftlich orientiert oder auf Aufstieg und Fall einzelner Personen fixiert. (Merke: auch Wirtschaftsblätter emotionalisieren gern ihre Berichterstattung, weil sie wissen, welche Anziehungskraft dies auf das Publikum hat.)

Sofern Sie in ein Boulevard-Blatt geraten, geht es vermutlich um die ‘skandalösen’ Staus, die durch die noch ‘skandalöseren’ Straßensperrungen rund um Ihr ‘unerhörtes’ Bauvorhaben entstehen werden…. Sie wissen schon, was ich meine!

Und dann gibt es da noch die Weltanschauungen – je nach politisch-gesellschaftlicher Ausrichtung. Von einem eher konservativen Blatt werden Sie andere kritische Fragen hören als von einer links-ökologisch ausgerichteten Zeitung.

Zugegeben,  allseits passende Schablonen sind das hier nicht, sondern nur Erfahrungswerte. Man kann mit einzelnen Redaktionen auch Überraschungen erleben. Tröstlich ist:  Man kann sich auf entsprechende Fragen vorbereiten, aber nicht nur das. Man kann den speziellen „Neigungen“ der jeweiligen Redaktionen auch aktiv begegnen.  Nämlich durch eine PR, die zB. die Boulevardpresse auf Ihre Seite bringen kann. Besprechen Sie das mit Ihrer PR-Abteilung.

Sie haben Fragen dazu? Dann mailen Sie mir oder rufen Sie mich an!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: was wollen Journalisten wissen?

Hier lohnt ein ausführliches Brainstorming im Management. Und vergessen Sie bitte nicht etwaige „Leichen im Keller“.  Auch wenn Sie betreffende Fälle  nur als ganz normale Geschäftsprozesse betrachten – es reicht, dass die Journalisten das anders sehen könnten. Und da es zum guten Ton in den Redaktionen gehört, kritische Fragen zu stellen, werden die Reporter nach solch kritischen Aspekten sicherlich suchen.  Außerdem braucht es einen Blick von außen auf Ihre Firma:  was halten Journalisten von Unternehmen wie dem Ihrigen? Was wurde bereits über Sie geschrieben? Auch wenn Sie noch so rechtschaffend wirtschaften – Es gibt bestimmte Merkmale, die bei Journalisten und in der Öffentlichkeit Argwohn hervorrufen. Dazu zählen  Größe, Einfluss, Reichtum, Erfolg.  Versuchen Sie, die Außenwirkung Ihres Unternehmens umfassend zu recherchieren. Oder lassen Sie recherchieren.  

Im Übrigen gilt: Redaktionen stillen die Bedürfnisse ihres Publikums. Wenn Sie sich also den typischen Leser/Zuschauer/Hörer des betreffenden Mediums vorstellen, haben Sie schon einen Eindruck, welche Fragen kommen werden. Sowohl in der Sache als auch im Stil.

Sie haben Fragen dazu? Dann mailen Sie mir oder rufen Sie mich an!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Kernbotschaften unterbringen

Wie groß ist die Chance, Ihre Kernsätze im Interview anzubringen?

Je positiver das Interview-Thema ist, desto leichter bringen Sie Ihre Botschaften unter. Aber glauben Sie mir: Journalisten finden immer etwas, was man kritisieren kann. Und wer als Journalist von seinem Publikum ernst genommen werden will, ist geradezu verpflichtet, auch kritische Fragen einfließen zu lassen. Zwei Dinge dazu:

Es gibt Methoden, aus kritischen Fragen positive Antworten zu machen. Mehr darüber erfahren Sie an anderer Stelle unter dem Begriff Bridging.

Der Inhalt der kritischen Fragen  ist meistens im Vorfeld absehbar. Darauf kann man sich vorbereiten. Wagen Sie also einen Blick durch die Augen der Journalisten auf Ihr Unternehmen.

Besonders heikel wird es, wenn der Journalist vermutlich etwas über Sie weiß,  was Sie noch nicht wissen (Gerüchte, Branchen-Informationen). Oder wenn er Informationen hat, die Sie lieber aus der Öffentlichkeit heraushalten wollen. Damit befinden wir uns im Bereich der Krisen-PR. Hier braucht es eine Kommunikations-Strategie VOR dem Interviewtermin.

Umso wichtiger also die Frage: gibt es Ereignisse/Prozesse, die von außen kritische Fragen aufwerfen könnten. Selbst die kleinste Wahrscheinlichkeit sollte man durchdenken und entsprechende Antworten erarbeiten.

Sie haben Fragen dazu? Dann schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Kernbotschaften kennen

Selbstverständlich haben Sie den Überblick über Ihr Unternehmen. Sie kennen Ihre Zahlen im Schlaf. Ebenso die Stimmung in der Firma und die Perspektive am Markt. Und es ist ein Leichtes für Sie, all dies Ihren Management-Kollegen zu erläutern. Im Interview aber ist die Situation eine andere: Da kommt es auf jede Silbe an, nichts ist rückholbar, die Situation ist unbequem, zumindest aber ungewohnt. Außerdem geht nun die Botschaft an einen Betriebs- wenn nicht sogar Branchenfremden. Da gilt es, nicht missverstanden zu werden. Und das allemal, wenn es um kritische Fragen geht. Wenn Sie dann auf bereits Formuliertes zurückgreifen können, schafft dies Sicherheit. Das Erstellen solcher Kernbotschaften kostet zwar seine Zeit. Aber: wenn Sie jemanden finden, der Ihnen als Sparringspartner die wichtigsten Fragen der Öffentlichkeit stellt, sind Sie bald  am Ziel. Und wenn Sie sich auf diese Weise erst einmal zu den jeweils wichtigsten Themen positioniert haben, hält das eine Weile.

Sie haben Fragen dazu? Dann mailen Sie mir oder rufen Sie mich an!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Kernbotschaften?

Welche Informationen wollen Sie unbedingt im Interview unterbringen? Es ist ratsam, diese „Kernbotschaften“ vor dem Interview festzulegen. Denn häufig passiert folgendes:

– Der Journalist stellt keine geeignete Frage, die Ihre Kernbotschaften zulässt.

– Der Journalist bringt das Interview auf eine emotionale Ebene und bringt Sie von Ihren Kernbotschaften ab.  Das gilt vor allem für kritische Interviews in heiklen Situationen. Es gibt aber für diese Fälle Methoden, die ich Ihnen in einem späteren Blogbeitrag erkläre.

– Die Kernbotschaften fallen Ihnen im Eifer des Gefechts nicht mehr ein (und das ist menschlich!). Denn ein Interview ist per se kein Heimspiel. Selbst dann, wenn der Reporter gar keine kritischen Fragen in petto hat, ist er doch ein Fremder mit eigenen Interessen. Er wird versuchen, durch Fragen zu führen.

Also: planen Sie vorher, was auf jeden Fall „rüberkommen“ soll. Oder wissen Sie das noch gar nicht? Dann sprechen wir darüber in der nächsten Folge meines Blogs.

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: die hardcore Interview-Anfrage

Wenn Sie in einer Branche tätig sind, die mit Skandalen in Verbindung gebracht wird oder wenn Sie mit Ihren Produkten/Dienstleistungen den Menschen sehr nahe kommen (Nahrung, Gesundheit, Gefahrstoffe etc), dann kommen Investigativ-Redaktionen und Verbrauchertest-Magazine auf Sie zu. In solchen Fällen kann die Interview-Anfrage samt Konsequenzen ganz anders aussehen:

Der vorgelegte Fragekatalog gibt nur bei genauestem Hinsehen einen Anhaltspunkt, worum es den Journalisten wirklich geht. Da gilt es zu erahnen, „wohin der Hase läuft“.

Von Investigativen TV-Redaktionen ist bekannt, dass nicht immer mitgeteilt wird, WER da eigentlich anfragt. Sodass sich Unternehmen schon gezwungen sahen, die TV-Programme der kommenden Wochen durchzuschauen. Auf diese Weise wollten sie entdecken, wer da wohl recherchiert.  Mit Erfolg, übrigens.

In beiden Redaktions-Arten gilt: Diese Magazine berichten auch ohne Sie. Also haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Sie äußern sich gar nicht (Übersetzung im Film: „Firma xy war nicht erreichbar/ wollte sich nicht äußern“)
  • Sie geben nur ein schriftliches Statement ab, das man zitieren kann.
  • Sie geben ein Interview.

Ich rate zum Statement. Denn stumm bleiben wirkt nicht imagefördernd. Und das Interview stößt hier an seine Grenzen. Denn  so gut Sie auch vorbereitet sein werden – sofern die Story schon „steht“, wird man Ihre Statements entsprechend verwenden.

Hilfreich ist in beiden Fällen, sich in Gedanken vorsorglich in den „Krisen-Modus“ zu schalten. Auch wenn eine Krise für Sie gar nicht erkennbar ist.  Denn vor allem das Investigativ-Magazin will diese Krise bei Ihnen entdecken. In Verbrauchertest-Magazinen ist dagegen auch eine positive Darstellung Ihres Unternehmens noch vorstellbar.

Sie haben Fragen dazu? Dann schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: die Interview-Anfrage

Glückwunsch! Die Presse interessiert sich für Ihr Unternehmen, weil Sie einen unternehmerischen Coup gelandet haben.   Ein Magazin aus Print, Radio oder TV fragt nach einem Interview-Termin. Wie wunderbar, denken Sie! Aber bevor es losgeht, sollten Sie auf folgendes achten:

  • Ganz wichtig: worum soll es gehen? Der Journalist wird Ihnen nicht die wörtlichen Fragen verraten, aber die „Stoßrichtung“ wird er nennen.
  • Wer ist Zielgruppe des Mediums? Fachpublikum? Boulevard? Wenn Sie sich die Leser-/Hörer-/Zuschauerschaft vorstellen, dann können Sie Stil und Inhalt der Fragen schon erahnen. Denn Journalisten fragen stellvertretend für ihr Publikum.
  • Wer ist die Zielgruppe speziell Ihres Interviews? Für wen genau erklären Sie Ihre Handlungsweise? Entsprechend wissen Sie, wie viel Wissen Sie voraussetzen können und wie einfach bzw anschaulich Ihre Sprache sein sollte. Schließlich wollen Sie doch Ihr Publikum überzeugen, oder?
  • Wie lang soll das gedruckte/gesendete Interview werden? So wissen Sie, wie viele Fragen kommen werden.
  • Bleibt es ein Interview oder fließen Ihre Antworten in einen Artikel/Beitrag ein? Das hat Einfluss auf Ihre Antworten. Wenn die Antworten nämlich als Zitat bzw Statement verwendet werden, stehen sie nicht mehr im Zusammenhang. Also sollte man sie umsichtiger und vollständiger formulieren.
  • In welchem Umfeld erscheint es? Gibt es noch andere Beiträge zu dem Thema? Achtung: Schmückt das Umfeld Ihre Firma oder schadet es?
  • Und – ganz wichtig: was könnte der Journalist außerdem von Ihnen wissen wollen? Gibt es kritische Themen, die Sie in der Öffentlichkeit nicht so gern ausleuchten möchten? Auch dazu sollten Sie Antworten entwerfen.

Sie haben Fragen dazu? Dann schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an!

Artikel vom März 2016 / Update vom Mai 2019