KategorieInterviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber

Hier poste ich Tipps aus meinem Erfahrungsschatz. Bleiben Sie dran!

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Journalisten-Weltsicht

David gegen Goliath

Quelle: Michael Thomas

Es gibt in Redaktionen eine weit verbreitete Grundhaltung, die es zu kennen lohnt. Nennen wir sie: „David gegen Goliath“. Man könnte auch sagen: wir da unten, ihr da oben. Journalisten sehen sich meistens auf der Seite der Schwachen, der Kleinen, des Volkes usw. Das ergibt sich schon aus der Rolle als Vierte Gewalt, die ihnen die Demokratie zuschreibt. Außerdem berichten die meisten Medien aus Sicht der Einzelperson und nicht aus Sicht der Volkswirtschaft. Sie haben  also sozusagen den Blick von unten  und seltener von oben. Das gilt im Grunde genommen für jedes Medium, auch wenn das eine ausgewogener berichtet als das andere. Aber das bedeutet, dass sich Journalisten als Anwalt des Publikums verstehen und dass sie auf diese auf diese Weise alles skeptisch macht, was mächtig, reich oder staatlich ist.

Insofern:  je größer die Firma und je erfolgreicher  sie ist,  desto genauer achten Journalisten darauf, ob sie stolpert.   Hierzu sei erwähnt: Neid spielt in Deutschland ja sowieso  eine große Rolle.

Sie haben Fragen oder Anregungen dazu? Dann mailen Sie mir gern oder rufen mich an.

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Zooming

Zoom KameraLieben Sie Filme? Dann kennen Sie die Macht des Objektivs. Wenn die Kamera in ein Motiv hineinzoomt, dann tauchen auch Sie in die Materie ein und lassen die bisherige Rahmenhandlung hinter sich. Sobald  die Kamera dann wieder herauszoomt,  werden die Details des Motivs unwichtig und das große Ganze rückt in den Vordergrund.

Dieses Zooming funktioniert auch in der Sprache und dient als rhetorische Methode, um auf ungelegene Fragen angenehme Antworten geben zu können. Man macht sich zunutze, dass es auch auf heiklen Themenfeldern stets Bereiche gibt, von denen man trotzdem gern erzählen mag. Und je spannender da die Detailschilderung ausfällt, desto mehr rücken andere unangenehme Fragen in den Hintergrund. Nun kann man nicht plump über Finanzen reden, wenn der Journalist nach Mitarbeitermotivation fragt, aber wenn man vertikal denkt, klappt es.

Wie funktioniert das? Dazu stellen wir uns ein unternehmerisches Thema wie eine Zwiebel vor. Unsere Beispielfrage: „Wie wollen Sie beim Thema „Industrie 4.0“ Schritt halten?“ Die Antwort-„Zwiebelschalen“ gestalten sich von außen nach innen zb. wie folgt:

  • ja, Industrie 4.0 ist ein wirklich sehr wichtiges Thema, gerade in Deutschland/ unserer Branche…. (äußerste Schale)
  • wir haben da schon über die Modelle A, B und C nachgedacht und in unserer Branche entwickelt sich die Nutzung von 4.0  ja Richtung Y….. (zweit-äußere Schale, denn Sie geben Ihre Strategiegedanken preis und werden danach wieder allgemein)
  • Wir verfolgen bereits das Modell B, haben schon die halbe Wegstrecke zurückgelegt…… (nächst innere Schale, denn Sie werden immer konkreter und laden zu immer konkreteren Nachfragen ein und lenken von anderem ab)
  • Wir haben bereits Maschine X gekauft, die kann sich mit den Maschinen Y und Z vernetzen. Hier haben wir bereits erste Versuche mit der Vernetzung hinter uns und dabei ist folgendes herausgekommen…… (Damit sind Sie sehr tief im Kern Ihrer Zwiebel angekommen, denn Sie geben sehr viel preis und es stellen sich für den Reporter viele neue Fragen. Sie haben aber auf dieser Ebene die Möglichkeit, durch eine Menge Detailschilderung von anderen Fragen abzulenken).

Zooming-in bzw zooming-out bedeutet nun, soweit in die Zwiebel hinein- oder heraus zu zoomen, bis Sie eine Schalen-Ebene finden, über die Sie gut reden können. Das muss nicht dieselbe Schalen-Ebene sein, nach der der Reporter gefragt hat. Aber selbst wenn er noch einmal nachfragt, wirkt ein ausweichendes, kurzes „Da sind wir noch in der Planung/im Gespräch“ erheblich befriedigender als wenn Sie ausschließlich diese dürre Nachricht präsentieren.

Achtung: je ungefährer die Frage ist, desto besser funktioniert das Zoomen. Bei sehr direkten Fragen zu heißen Themen („werden Sie den Standort X schließen?“) braucht es eine andere Strategie.

Im Sinne des Zooming-Ins verfährt man übrigens auch mit sogenannten Blumenstraußfragen. Unerfahrene Interviewer kombinieren gern mehrere Einzelfragen. Das klingt dann so: „Wollten Sie eigentlich schon immer Vorstand werden, wie war eigentlich Ihr Werdegang und was sagen Ihre Mitarbeiter zu Ihrer neuen Position?“ Solche Fragen dürfen Sie natürlich gern in einem gut gewichteten Dreiklang beantworten – sofern Sie sich noch an die drei Aspekte erinnern. Für viele Interviewprofis ist dies aber die Einladung zu einem Zooming-in: Welche Frage davon beantworten sie? Die angenehmste natürlich, und zwar in aller Ausführlichkeit! Und was machen sie mit den anderen Fragen aus dem ‚Blumenstrauß‘? Wie – da gab’s noch andere Fragen…..?  😉

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: fiese Fragen

bombe_schatten„Wer garantiert Ihnen eigentlich, dass Sie Ihren Job länger behalten als Ihr Vorgänger?“, fragt Sie der Journalist. Garantieren? Na, ja. Im Leben ist ja eigentlich nichts garantiert, oder? Also, was antworten Sie? „Niemand“ ? Oder sagen Sie: „ich weiß genau, dass ich meinen Job behalte“? Beides ist für Häme gut.

Hübsch ist auch der Satzeinstieg: „Angenommen, Sie müssen morgen zurücktreten, was würden Sie………?“  Moment mal, Rücktritt? Ja, was sagt man denn da? Es gibt es Techniken, mit solchen Fragen umzugehen. Aber gewöhnungsbedürftig sind sie trotzdem.

Warum tun Journalisten das? Freche Fragen gehören für Journalisten zum guten Ton, denn nur ein kritischer Journalist ist aus Sicht der Branche ein guter Journalist. Teils machen sie es für das Publikum.  „Dem zeigt er es aber“, raunt das dann. Teils machen sie es auch für die Kollegen. Aber vor allem geht’s hier um gezielte Provokation. Es ist der Versuch, Sie zu einer  ungeplanten Emotion zu verführen. Oder vielleicht entfährt Ihnen eine Information, die Sie eigentlich nicht preisgeben wollten? Ein knackiges Zitat für die Headline tut‘s auch.  – Für Sie bedeutet das, solche Finten einzukalkulieren. Und zu wissen, wie man sich denen entwindet.

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Bridging

Palace Bridge and Peter and Paul Cathedral. The White Nights in St.-Petersburg, Russia

Stellen wir uns vor, Sie sind mittendrin im Interview und da stellt der Reporter eine kritische Frage, der Sie faktisch nichts zu entgegnen haben. Vielleicht sprechen Sie beide gerade über Ihre betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und der Reporter stellt fest: „Herr X, seitdem Sie CEO sind, ist es stets bergab gegangen. Ihre Firma ist in Deutschland Marktletzter! “ Tja. was sagen Sie da? Faktisch hat er Recht. Welche Antwortmöglichkeiten haben Sie:

  • Widersprechen können Sie ihm eigentlich nicht. Kleinteilig herumrechten gereicht Ihnen nur zum Nachteil.
  • Einfach nicht darauf eingehen? Als Politik-Journalistin würde ich sagen, dass größtenteils dieses Antwortmuster daran schuld ist, dass Politiker in der Bevölkerung einen so schlechten Ruf bekommen haben. Deshalb fällt diese Variante auch für Sie aus.
  • Ansatzlos auf die schlechten Zeiten bzw die miese Konkurrenz schimpfen – aber das macht unsouverän und unsympathisch und fällt daher ebenso aus.
  • und da Sie leider auch keinen konkreten Plan parat haben, der just diese Marktanteils-Malaise auf die Schnelle löst, können Sie damit auch nicht glänzen.

Die eleganteste Lösung ist das Bridging und das geht so:

Sie gehen auf die Feststellung des Reporters ein, denn sie ist ja faktisch richtig. Sie geben ihm (kurz!) Recht und geben ein Schuss Empathie dazu. Und danach leiten Sie zu einem Thema über, das dazu passt. Es muss nicht die perfekte Lösung beinhalten, aber in eine gute Richtung zeigen. Das klingt dann in etwa so:  „Ja, Sie haben Recht, wir haben in den vergangenen Jahren mehrfach hintereinander Marktanteile in Deutschland verloren….“ (=Faktenanerkennung, aber nicht zu viele Details des Desasters, denn die wollen Sie ja später nicht noch schwarz auf weiß nachlesen können, oder?). „….Sie können sich vorstellen, dass dies auch mich nicht erfreut, schon gar nicht der Belegschaft gegenüber… (=Empathie)….UND wir sind stolz darauf, dass wir einen Fuß in die fernöstlichen Märkte setzen konnten. Sehen Sie, Asien ist mittlerweile einer der größten Player der Erde geworden. Unser neues Produkt X……. undsoweiterundsoweiter.“

Warum UND und nicht ABER? Wer kritischen Fragen mit Widerspruch begegnet, wirkt auf das Publikum oft selbstgerecht. Außerdem können Sie damit verhindern, dass der Reporter seine Kritik und Ihre Entgegnung  en detail gegeneinander aufrechnet. (nur zur Erinnerung: Sie hatten ja keine perfekte Lösung für die Marktverluste in der Tasche…..).

Vielleicht fragen Sie sich, warum diese Methode funktioniert, denn der Reporter bemerkt ja  – sofern er Fachmann ist bzw zuhören kann – Ihr Bridging ganz genau. Aber das Publikum prämiert keine Faktenhuber, sondern Sympathieträger. Wer auf Details herumreitet, gerät ins Abseits. Das gilt auch für Journalisten: Das Publikum mag es zwar gern, wenn sie scharfsinnig sind und den Interviewpartner anhand dessen eigener Aussage „überführen“, aber kleinteilige Wadenbeißer findet es dann doch enervierend.  Wer dagegen  versöhnlich und verbindend wirkt, hat Aufwind. Und deshalb geht in unserem Beispiel der Punkt an Sie. Ein eiliges „Aber das ist doch nicht die Antwort auf meine Frage….!“ wirkt dann unter Umständen, als gönne der Reporter Ihnen den Fernost-Erfolg nicht. Sie sehen: im Interview geht es um mehr als nur um Informationen. Klar, im Vieraugengespräch gelten ganz andere rhetorische Gesetze und da hat das „aber“ auch wieder seinen Platz. Doch hier ist das Publikum die  Jury.

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Foto-Quelle: kotafoty

Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Antwort-Vierklang

VierEs wäre doch schön, wenn sich Ihr Leser/Hörer/Zuschauer Ihre Interview-Antworten auch merken könnte, oder? In der Rhetorik haben sich ein paar Antwort-Muster bewährt, die auch abstrakte Themen klar und verständlich machen. Zum Beispiel dieser Vierklang:

Botschaft, 2-3 Begründungen, erläuterndes Beispiel, selbe Botschaft zur Verstärkung noch einmal.

Die eindrucksstärkste Begründung setzen Sie in Ihrer Reihung an die erste Stelle, denn falls Journalisten kürzen müssen, kürzen sie von hinten.  (In der Rhetorik für Vorträge gelten andere Regeln).

In meinen Interviews hat eine Vielzahl von Politikern und Wirtschaftsvertretern diesen Vierklang verwendet und auch wenn man den Inhalt noch so fragwürdig finden wollte, klang die Antwort durch diesen Vierklang stets eingängig, aufgeräumt und professionell.

Natürlich muss nicht jede Antwort derart gestrickt werden. Schon gar nicht, wenn das Interview einen Gesprächs-Charakter behalten soll. Aber grundsätzlich gilt: Fangen Sie in Ihrer Story mit dem Wichtigsten an, nicht mit dem chronologisch Ersten. Denn Journalisten kürzen bekanntlich von hinten. Außerdem wird ihr Publikum Sie dafür lieben.

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Hintergrund

Setting Interview verpixelt

Der Tag des Interviews ist gekommen, die Reporter stehen vor der Tür. Auch wenn Sie inhaltlich gut vorbereitet sind, gibt es vor allem vor  TV-Interviews noch einiges zu beachten. Die Kamera bildet nicht nur Sie ab, sondern auch die Szenerie hinter Ihnen. Und was soll da später im Bild zu sehen sein? Räumen Sie noch einmal auf, damit später keine zerdrückten Papp-Kaffeebecher hinter Ihnen wie Gartenzwerge auf der Anrichte lungern. Hängen die Bilder gerade? Ist die Jalousie symmetrisch hochgezogen? Steht etwa irgendwo ein Aschenbecher herum? Setzen Sie innerlich einen „Kamerablick“ auf und schauen sich um. Dasselbe gilt, wenn Sie vor dem Gebäude stehen wollen oder sollen. Achten Sie darauf, nicht vor Mülltonnen, Lieferanteneingängen,  Baustellen o.ä. zu stehen. Gerade, wenn Sie auch Kritisches zu verkünden haben, ist schnell ein unfreiwilliger Zusammenhang zum Bild hergestellt. Und wie ist es mit dem Firmenlogo? Sofern Sie Gutes berichten wollen, sollte es im Hintergrund auf jeden Fall zu sehen sein. Falls es aber um negative Botschaften geht, versuchen Sie,  einen neutralen Hintergrund zu finden – sofern dies möglich ist.

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Turbo-Prep Kurz-Interview

uhr zeit rot

Angenommen, Sie werden um ein kurzes Interview gebeten, weil Ihre Firma ein neues Produkt auf den Markt gebracht hat.  Der Termin ist schon in einer Stunde, weil die Redaktion sich kurzfristig entschieden hat, aus Ihrer Pressemeldung eine kleine Story zu machen bzw sie in einen größeren Kontext einzubauen. Aufregend, oder? Selbst alte Hasen müssen da noch einmal tief Luft holen, obwohl das Thema nicht kontrovers ist. Aber „kurz“ ist hier das Gegenteil von „einfach“. Denn diese vier, fünf Antworten, die Sie geben dürfen, müssen sitzen. Sie ergeben sich nicht aus der Gesprächssituation, sondern haben eher den Charakter von Einzelstatements. Und als Statement werden sie vermutlich in der späteren Story auch verwendet. Gut ist, wenn Sie vorab schon klären können, was der Journalist fragen will.  Wenn nicht, auch okay. Denn Regel Nr. 1 heißt: „Nerven behalten“. Journalisten fragen in solchen Situationen oft nach dem Muster: „wer-wie-was-wo-wann-warum“ mit mehr oder minder skeptischem Unterton. Das kann sich so anhören:

  • Was kann das Produkt? Warum ist es so sensationell, wie behauptet? Was wollen Sie am Markt damit erreichen? Aber die Konkurrenz hat doch auch schon…..? wer soll das bezahlen? Was passiert, wenn es floppt? Zieht das neue Produkt Veränderungen in der Fertigung nach sich? Usw.

Für Sie heißt das: Konzentrieren Sie sich auf folgende sechs Dinge:

  • Rufen Sie als Erstes einen geeigneten Kollegen/Mitarbeiter hinzu, der sich mit dem Produkt auskennt bzw für Kommunikation zuständig ist. Solch ein Sparringspartner entlastet enorm.
  • Verinnerlichen Sie Ihre Kernbotschaften zu dem angefragten Thema und zu Ihrem Unternehmen. Mehr als fünf müssen es nicht sein. Das setzt allerdings voraus, dass Sie sie schon erarbeitet haben.
  • Können Sie diese Kernbotschaften begründen? Besser noch: haben Sie zwei, drei passende aktuelle Beispiele dazu?
  • WICHTIG: solche sogenannten Statement-Antworten müssen in sich inhaltlich abgeschlossen sein. Sie werden später ohne die dazugehörige Frage verwendet und ohne Zusammenhang zu Ihren anderen Antworten. Darum setzen Sie bitte gedanklich einen Anfang und ein Ende und sprechen Sie bitte in ganzen Sätzen (sorry für den Lehrerton, aber auf diese Weise erschweren Sie, dass Ihre Botschaft verfremdet wird).
  • Kurzes Brainstorming: was könnte die Widerrede des Journalisten sein? Was kann er kritisch sehen?
  • Legen Sie sich eine Handvoll wichtige Zahlen zurecht. Reporter fragen nach ihnen, das Publikum vergisst sie schnell. Aber sie runden das Bild Ihres Unternehmens in der Öffentlichkeit ab.

Achtung! Diese Vorbereitung reicht NICHT aus, wenn es um ein Interview mit kritischem Ansatz geht (Ihre Firma als Luftverpester etc). Sie reicht auch NICHT aus, um ein längeres Format zu füllen (mehr als drei Minuten Radio-TV, mehr als eine Zeitungsspalte). Dieser Turbo hilft nur, wenn Sie z.B. die unverhoffte  Chance bekommen, schnell noch Ihre Unternehmens-Neuheit unterzubringen. Oder der Lokalzeitung das Neueste von Ihrem  Lagerhaus-Neubau/ Ihrer Niederlassungsgründung/Charity-Veranstaltung zu erzählen. Dann aber beruhigt der Turbo die Nerven, bündelt Ihre Gedanken und sorgt für eine runde Sache. Und Ihr Kollege freut sich auch.

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Interview wiederholen?

fast rewindKann man ein Interview wiederholen lassen, weil die erste Variante nicht gelungen erscheint? Das hängt vom guten Willen der Redaktion ab. Ein Recht auf einen zweiten Versuch gibt es nicht. Das würde ja voraussetzen, dass Sie Ihren ersten Versuch zurückziehen dürfen, und bereits das funktioniert nur per Goodwill der Redaktion.  (siehe „Interview zurückziehen“). Sie sollten also damit rechnen, dass der Journalist Ihren Erstversuch veröffentlichen will – egal, wie verhaspelt oder unscharf formuliert er ist. Das klingt hart, aber  – salopp gesagt: einen zweiten Versuch für den ersten Eindruck gibt es im Leben ja ebenso wenig.

Dabei darf man noch froh sein, wenn der Journalist tatsächlich das tut, was er ankündigt. Es gibt auch Fälle von TV-Aufzeichnungen, in denen man dem Interviewten einen zweiten Anlauf zugestand, aber stattdessen später für die Sendung beide Interview-Varianten genüsslich ineinander schnitt. Das ist zweifelsohne  schlechter Stil, unter Umständen der Bruch von Zusagen, vielleicht sogar justiziabel, aber gesendet ist gesendet. Es ist nicht einfach, die Wirkung im Nachhinein wieder einzufangen.  Warum machen Journalisten das? Sie wollen die Wirklichkeit darstellen bzw das, was sie dafür halten. Unter Umständen ist das nicht gerade Ihre Auffassung von Wahrheit und Wirklichkeit. Außerdem haben Journalisten eine feste Vorstellung von Gut und Böse. Auch die muss mit Ihrer nicht übereinstimmen. Ein dankbares Feld für abendfüllende Diskussionen…..

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Interview zurückziehen?

Interviews zurückziehenKann man ein Interview zurückziehen? Das kommt auf die Redaktion an. Fakt ist: es gibt kein Recht auf Rückzug des Interviews. Und es gibt auch kein Recht auf Rückzug einzelner Fragen. Deshalb geht es hier aus Sicht der Journalisten um Kulanz bzw Goodwill. Und das Selbstverständnis ist hier von Redaktion zu Redaktion  sehr unterschiedlich.

Als Faustregeln gelten:

  • Je heikler das Thema, desto weniger wird sich die Redaktion darauf einlassen. Warum sollte sie die gewonnenen Zitate wieder hergeben?
  • Je drängender der Informationsbedarf, desto niedriger die Chancen.
  • Je schneller Sie handeln, desto höher die Chance. In vielen Radio-/TV-Redaktionen gilt: 1-2 Stunden nach der Aufzeichnung lässt man sich noch darauf ein, einen Sendeplatz wieder neu besetzen zu müssen. Später nicht mehr. Und bei Brisanz des Themas sowieso nicht.
  • Je besser Ihr Image und je besser der Kontakt in die Redaktion, desto höher die Chance.

Noch ein Wort zum Rückzug einzelner Fragen: die Vorstellung, auf Geheiß des Interviewten ein Interview bearbeiten zu müssen, passt nur schlecht in das journalistische Selbstverständnis. Dafür braucht ein Redakteur schon eine sehr, sehr plausible Begründung.

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Interviewtraining für heikle Situationen – der Ratgeber: Fragen ausschließen?

Fragen ausschließenKann man Fragen ausklammern? Ja, man kann. Aber es wirkt nicht imagefördernd. Außerdem halten sich  Journalisten nicht immer an solche Absprachen. Am einfachsten ist es für Sie, wenn der Journalist das gesamte Thema wechseln will. Also statt zum Thema „Umsatzziel“ über „Arbeitszeitbetrug“ in Ihrer Firma reden will. Dann kann man höflich und mit freundlicher Bestimmtheit ablehnen nach dem Motto: „Tut mir Leid, das war so gar nicht verabredet. Lassen Sie uns darüber gleich sprechen und einen neuen Termin ausmachen.“

Wenn dieser Themenwechsel gar vor laufender Kamera angekündigt wird, ist es umso wichtiger, in größter Freundlichkeit das Interview erst einmal zu unterbrechen. Und achten Sie darauf, dass die Kamera danach auch wirklich ausgeschaltet wird. Nicht, dass die Backstage-Diskussion mit dem Journalisten nachher noch den Weg in die Medien findet…………

Schwieriger ist es, nur einzelne Fragen auszuschließen. Journalisten haben die Freiheit, dies im Abdruck/in der Sendung zu vermerken (…wollte sich dazu nicht äußern….) und das wirkt auf das Publikum befremdlich und erzeugt Neugier und Argwohn. Klüger ist es unter Umständen, sich eine allgemein ausweichende Antwort dazu zurecht zu legen.   Aber die muss dann sitzen.

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